• Olivia Alig

Mediation plus Rechtsberatung = Cooperative Praxis?

Mediation ist inzwischen als alternatives Verfahren zur Konfliktlösungen und bei Verhandlungen relativ bekannt. Nun etabliert sich eine neue, weitere Methode - die sogenannte Cooperative Praxis – kurz CP genannt. Sowohl Mediation, als auch das CP-Verfahren stammen aus den USA. Die Cooperative Praxis ist dort als „Collaborative Practice“ bzw. „Collaborative Law“ geläufig.


Die Cooperative Praxis ist die Weiterentwicklung und Zusammenführung der beiden Disziplinen Mediation und Rechtsberatung mit folgenden Besonderheiten:


- anwaltliche, parteiliche Beratung der jeweiligen Partei

- falls erforderlich, weitere Fachberatung anderer Expert:innen

- Einsatz von Methoden der Mediation

- mit dem Ziel, einer einvernehmlichen Lösung der Parteien


Das CP-Verfahren wird bei vielen Konflikten eingesetzt: u.a. im Vertrags-, Familien-, Wirtschafts-, Arbeits-, IT- & Medienrecht, bei der Gründung und Auseinandersetzung von Gesellschaften, Unternehmensnachfolge, innerbetrieblichen Konflikten sowie bei Streitigkeiten auf der Führungsebene im Unternehmen. Die Cooperative Praxis könnte meines Erachtens zudem eine sehr gute lösungsorientierte Verhandlungsmethode auch im Vertragsrecht darstellen.


Die Parteien können durch die Cooperative Praxis eine eigene, einvernehmliche Lösung in voller Kenntnis des Rechtes für ihre Themen finden, die gleichzeitig auch die individuellen Interessen und Bedürfnisse der anderen Partei(en) berücksichtigt. Falls erforderlich, wird weitere Expertise eingeholt (ggf. durch Coaches, Finanz-, Steuerexpert:innen, Kinderinterviewer:innen, etc.). Dies alles findet gebündelt in einem Verfahren statt. Die dadurch individuell gefundenen Lösungen und Vereinbarungen sind in der Regel besonders nachhaltig. Entscheidend bei der Cooperativen Praxis ist, dass grundsätzlich eine Konsenslösung angestrebt wird.


Damit unterscheidet sich das CP-Verfahren von der klassischen Rechtsberatung und dem Streit vor Gericht. Im Gegensatz zu Vergleichsgesprächen behalten die Parteien bei der Cooperativen Praxis ausdrücklich die Verhandlungshoheit. Der Ablauf, die Phasen und die Prinzipien sind bei der Cooperativen Praxis und Mediation gleich. Wie bei der Mediation bleiben die Parteien selbst verantwortlich für die Inhalte, Entscheidungen und Lösungen. Sie werden durch das Verfahren und bei der Kommunikation miteinander begleitet.


Verhandelbares und zwingendes Recht sowie Gesetz stellen beim CP-Verfahren den Rahmen der Informiertheit und Selbstbestimmtheit der Klient:innen dar. Die Methoden der Mediation ermöglichen dann einen wechselseitigen Perspektivwechsel von den ausschließlich eigenen Forderungen, Positionen und Ansprüchen hin zur Mitberücksichtigung der Interessen, Wünschen und Bedürfnissen der jeweils anderen Partei. Dies hilft in der Regel, eine solide, alle Seiten berücksichtigende, wertschätzende und abschließende Lösung für die Zukunft zu finden.


Im besten Fall (frei nach der Harvard-Methode) führt die Cooperative Praxis durch die Techniken der Mediation zu einer individuellen „Win-Win“-Lösung und nicht, wie so oft bei Rechtsstreitigkeiten, zu einer fremdbestimmten „Win-Loose“- oder sogar „Loose-Loose“-Entscheidung.


Insbesondere in allen Fällen, in denen persönliche und geschäftliche Beziehungen begründet, gestaltet werden und/oder erhalten bleiben sollen, kann die Cooperative Praxis das Mittel der Wahl sein. Bei der Verhandlung von komplexen (Rechts-)Themen, der Regelung von Vertragsbeziehungen, Projekten und anderen aufwendigen und vielschichtigen Vorhaben eignet sich die Cooperative Praxis sehr gut für den präventiven und gestaltenden Einsatz. Das CP-Verfahren ist daher auch für Klient:innen der Medien- und Kreativbranche interessant sowie in anderen Bereichen an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Rechts- und Fachgebieten, z.B. bei der Gestaltung von Unternehmensnachfolgen.


Fazit: Um die Eingangsfrage zu beantworten - Mediation plus Rechtsberatung = Cooperative Praxis? Im Prinzip ja, es bedarf dazu jedoch ein paar weiterer „Zutaten“ und einer Haltung, die durch die Qualifikation in Mediation und zusätzlich durch die Kenntnis von CP-Methoden erworben werden kann.


Bei Interesse an Cooperativer Praxis, Mediation oder Beratung, auch online, insbesondere in den Bereichen Vertrag, IT, Medien, Familie und Wirtschaft wenden Sie sich gerne an:


Olivia Alig, zertifiz. Mediatorin & Rechtsanwältin für Cooperative Praxis DVCP®

olivia.alig@online-mediation-beratung.de


Bei einem Erstgespräch können wir gerne besprechen, welche Methode (Mediation – CP – Beratung) die passende für Sie wäre.


Weitere Informationen unter:

www.online-mediation-beratung.de

https://deutsche-vereinigung-cooperative-praxis.de/experten/cp-professional-finden/olivia-alig.html


© Frankfurt/M., März 2021 - Olivia Alig, Rechtsanwältin & Mediatorin

Bildnachweis: Thomas Pohl/department studios 2021

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